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Litauens Kapitale Vilnius wird Europäische Kulturhauptstadt 2009

Von Robert B. Fishman

Vilnius/Litauen. Der Präsident ist ein vielbeschäftigter Mann. „Er ist in Portugal“, meint einer seiner Untertanen „nein in der Mongolei“, korrigiert ein Zweiter, während der Staatschef gerade um die Ecke kommt. Der Mann mit dem angegrauten Dreitagebart und den wasserblauen Augen trägt Verantwortung, sehr viel Verantwortung – „zum Beispiel für den Wind, unsere vier Flaggen- eine für jede Jahreszeit – und für unseren Kalender.“ Das Jahr beginnt in der Republik Užupis an Frühlingsanfang. „Da werfen wir symbolisch alle Vorurteile ins Feuer“, erklärt Präsident, Filmemacher und Künstler Roman Lileikis, „so haben wir wieder Platz für Neue“. Am 1. April feiert man die Unabhängigkeit und jeden Samstag einen Markt. Ostermontags, am „Tag der weißen Tische“, bringen die Leute Essen und Getränke in den großen Biergarten an der Brücke nach Užupis. Dann genießen alle gemeinsam.

„Straße des Todes“ steht immer noch in blutroter Schrift auf einer Hauswand an der Hauptstraße von Užupis, dem „Messerstecher“-Stadtteil, in dem einst die Armen lebten. Dann kamen die Künstler und jetzt die Investoren. Die verfallenen Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert werden nach und nach teuer restauriert. Seit Gründung der Republik vor gut elf Jahren ist das in einer Schleife des Flüsschen Vilnelè gelegene uralte Viertel ein gefragtes Wohnquartier. In den schon renovierten Häusern eröffnen immer mehr Galerien und Cafés. Die Innenhöfe, in denen zwischen Toilettenhäuschen und verfallenden Häuserwänden die Anwohner ihre Sommerabende unter alten Bäumen im Grünen verbringen, wird es so nicht mehr lange geben.

„Alles Übel“, sagt Roman Lileikis, entstehe doch aus dem Wunsch zu haben und zu besitzen“. Deshalb zeigt die Flagge von Užupis eine Hand mit einem Loch. „Alles fließt, wie unser Flüsschen hier.“

„Unser Land“, verspricht der Präsident, „ist so klein, da ist Platz für alle“. Dem Dalai Lama, der wie viele Diplomaten schon auf „Staatsbesuch“ in Užupis war, gab er auf eine schwierige Frage eine einfache Antwort. „Was macht ihr mit Kriminellen“, wollte der Tibeter wissen. „Wir leben mit Ihnen“, erwiderte Lileikis. „Wenn man sie kennt, mit Namen anspricht, beachtet und respektiert, geben sie Ruhe.“ Und das klappt? „Ja, zumindest hier.“

Bürger von Užupis sind sie nicht alle, aber „wohl die meisten“ der etwa 7000 Einwohner auf der Halbinsel, vermutet der Präsident. „Bürger wirst Du mit dem Herzen, indem Du Dich zu den Werten unserer Verfassung bekennst.“ Die hängt in mehreren Sprachen – in silber glänzendes Metall graviert – riesengroß an einer Hauswand. Jeder hat das Recht zu lieben, einmalig zu sein, Fehler zu machen, missverstanden zu werden, glücklich oder unglücklich zu sein. Garantiert ist auch das Recht zu weinen. Aber: „Niemand hat ein Recht auf Gewalt“ und „Der Hund hat das Recht ein Hund zu sein“, heißt es in der Verfassung. „Die Katze muss ihren Besitzer nicht lieben, ihm aber in der Not helfen.“

Wahrheiten gibt es viele in Litauens Hauptstadt Vilnius, die 2009 den Titel Europäische Kulturhauptstadt trägt. 14 Kirchtürme sieht Roman Lileikis…..

… die ganze Geschichte und noch viel mehr über Vilnius gibt es direkt bei mir unter ecomedia-rf@web.de

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