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„Wir brauchen einen Wohnsitznachweis“, muffelt die Frau hinter dem Schalter in der Zulassungsstelle auf der überfüllten Unterpräfektur. Die Mittagszeit naht, also bitte etwas schneller. „Hier im Fahrzeugschein steht die Adresse doch“, sage ich ihr und zeige auf das Papier. Es ist leider so zerrissen ist, dass wir ein Neues brauchen, um das Auto bei der „Contrôle Technique“, dem französischen TÜV vorführen zu dürfen. Die Antwort der freundlichen Dienstleisterin: „Ich bin nicht dumm, Monsieur. Wir brauchen einen Nachweis der Adresse.“ Das amtliche Dokument, das ersetzt werden muss, reicht ihr nicht. Aber wer hat schon seine Stromrechnung oder seinen letzten Grundsteuerbescheid immer dabei. Und wo ist der Nachweis der Contrôle Technique?, fragt sie dann noch. Meine Antwort irritiert sie doch: „Ohne neuen Fahrzeugschein nimmt die Contrôle Technique das Auto nicht ab. Deswegen sind wir doch hier“. Sie überlegt und nickt nach einer Weile. „Kommen Sie morgen wieder mit einer Stromrechnung oder einem Grundsteuerbescheid“, meint Sie dann. Macht gut eine Stunde Anreise über verstopfte Straßen, eine gefühlte Stunde ergebnislose Parkplatzsuche in der Innenstadt und eine weitere, die man im vollen Warteraum verbringt. Zum Glück erwische ich den Steuerberater über Handy, der den Steuerbescheid von 2008 hervorkramt und prompt ins Amt faxt. Plötzlich kann die Dame sogar lächeln, Stempel drauf, damit zum TÜV und dann wieder aufs Amt für einen neuen Fahrzeugschein. Hoffentlich. „Liberté, Egalité, Fraternité“, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit steht wie in allen französischen Amtsstuben über dem Schalter. Gilt aber nicht immer und nicht für alle. Wer schimpft hier über deutsche Bürokraten?

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