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Hammamet, Tunesien. Kaum ein Gespräch mit Taxifahrern und anderen eher einfachen Leute, das nicht auf mehr oder minder direktem Weg zu den Lehren des Propheten und zur Heiligen Schrift führt. Der Prophet Mohammed sei der letzter in einer langen Reihe, die auch Jesus Christus einschließe. Der Islam achte sie alle und der Koran verpflichte die Muslime zur Toleranz auch gegenüber Andersgläubigen, höre ich immer wieder. Viele Gläubige scheinen verinnerlicht zu haben, dass sie sich vor jedem westlichen Ausländer für ihren Glauben auch ungefragt rechtfertigen müssten. Es klingt, als hätten alle Imame ihre Schäfchen dazu verpflichtet, den ständig bedrohten Glauben koste es was es wolle gegen alles und jeden zu verteidigen, selbst wenn niemand beabsichtigt, ihn zu kritisieren.

Hass unter allzu Ähnlichen

Schnurgerade führt die Nationalstraße 1 aus Hammamet nach Süden durch flache Felder und Olivenplantagen, links am Horizont schimmert blau das Meer, rechts verschwimmen die Berge im Dunst. Unser Taxifahrer redet sich schnell in Rage, mit den Händen, schimpft er in radebrechendem Französisch, schaut mich auf dem Beifahrersitz an statt auf die Straße, zwischendurch ein Telefonat mit dem Handy, zitiert aus dem Koran und erklärt, dass er selbstverständlich En Nahda, die Religiösen, gewählt habe, es gehe um Aufrichtigkeit, um Respekt vor dem Koran, dem Propheten, dem Glauben und den Menschen, auch und gerade den Armen und Benachteiligten…. .

Plötzlich, warum auch immer, fällt ihm das Stichwort Israel ein. Seine Stimme wird lauter, noch energischer, überschlägt sich fast: Die Israelis hätten Palästina den Engländern abgekauft und nun wollten sie mehr und noch mehr. Sie brächten die Palästinenser um. Und überhaupt, was sie dort mit den Palästinensern machten, das sei doch Terrorismus…. Das Auto wird schneller, der Abstand zum Fahrzeug vor uns schwindet auf weniger als einen Meter, der Fahrer, ein junger, kräftiger Mann so um die 30 redet auf mich ein, fixiert mich mit einem durchdringenden Blick, wilde Gesten unterstreichen jedes seiner Worte.

Eine unserer Workshopteilnehmerinnen auf der Rückbank bekommt Angst. „Was ist los?, fragt sie. „Sag ihm, er soll auf die Straße schauen.“ Ich übersetze ihre Bitte, er beruhigt sich für einen Moment um gleich wieder loszulegen über die Israelis, die Toleranz, den Propheten und den rechten Glauben. Mein Einwand, auch die Israelis seien ganz normale Menschen wie Du und ich, die einen Beruf, eine Familie, ein normales Leben ihren Frieden haben möchten, lässt ihn inne halten. „Ach“, sagt er, „vielleicht hast Dur recht“. Sein Handy klingelt. Nicht minder lautstark diskutiert der Fahrer bei Tempo 80 am Telefon auf Arabisch weiter.

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