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Ganz stolz war ich auf mich, dass ich kurzfristig nach langem Suchen im Internet noch einen günstigen – sogar direkten – Flug nach Marseille gefunden habe. Noch lieber wäre ich mit der Bahn gefahren, aber das wäre eine Weltreise ohne erkennbares Ende geworden. Also zum Flughafen Düsseldorf, in den idiotischen Skytrain und zum Checkin der Air France. Zu spät, der Flieger ist weg. In der Hektik hatte ich mir die Ankunfts- statt der Abflugszeit gemerkt. Wäre Dummheit strafbar, säße ich jetzt im Knast….

Der nächste Flug? Erst morgen oder via Amsterdam mit 7 Stunden Aufenthalt. Zurück zum Bahnhof: Keine Zugverbindung mehr. Die Strecke Köln-Aachen ist unterbrochen. Und ein Nachtzug? „Den kann ich nicht buchen“, sagt der Fahrkartenverkäufer, funktioniert nicht, warum auch immer… . Was sagt das Internet? Es gibt noch einen Flug via Paris (den die Air France Leute am Ticketschalter nicht gefunden haben). Online ist er so kurzfristig nicht buchbar. Also zurück zum Terminal. Nun finden die Air France Leute am Schalter den Flug auch: Buchen, zahlen leiden, laufen, einchecken, abfliegen.

In Paris ist der Anschluss so knapp, dass ich ihn nur mit einem Spurt durch die gefühlt 5, faktisch ca. 2 km langen) scheinbar endlosen Gänge des Flughafens CDG gerade noch erwische, weil ich ich an der Sicherheitsschleuse an der langen Schlange vorbei durch den leeren Business-Class-Eingang mogle.  Flieger erwischt, wir kreisen über Marseille – wegen eines Notfalls des vorangehenden Fliegers auf der Landebahn… Tatsächlich angekommen, Bus zum Bahnhof (fährt wirklich alle 15 Minuten!) und in den letzten Zug nach Arles, der nur noch am Bahnsteig steht, weil er Verspätung hat. Super-nette Kontrolleure, die mich ohne Ticket in den abfahrbereiten Zug lassen (was in Frankreich normalerweise gar nicht geht). Ankunft in Arles: Eine ausgestorbene Stadt, frage ein junges Pärchen (die einzigen Menschenseelen weit und breit) nach dem Weg zum Hotel. „Kreisel, Stadtmauer, links, rechts und so weiter, ungefähr 20 Minuten zu Fuß“, meint die junge Frau. Mache mich mit dem ganzen Gepäck auf den Weg.  Innenstadt: menschenleere, viele kleine Gassen, keine Ahnung, niemand da zum Fragen. Da kommt das Pärchen vom Bahnhof mit dem Auto um die Ecke und hält. „Sollen wir Sie mitnehmen? Bei dem Wetter kann ich niemanden auf der Straße lassen“. 5 Grad plus sind hier tiefster, menschenquälender Winter (in Deutschland sind es gerade -5). So werde ich vor die Hoteltür gefahren. Merci mille fois, Ihr habt mich gerettet. Ich hätte den Weg nicht gefunden. Manchmal schickt der Himmel Engel. Ein Pluspunkt für Arles. Morgen geht’s an die Arbeit.

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