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Weil Frankreich bald einen neuen Präsidenten (oder wieder den Kasperl mit dem Hochdruckreiniger) wählt, hat mich eine von mir sehr geschätzte Redaktion um eine Radioreportage aus einem der sogenannten „quartiers difficile“ oder „sensible“ (frei übersetzt: sozialer Brennpunkt) gebeten. Die gute Idee der Redakteurin: Begleite eine Familie dort mit dem Mikrofon und erzähle, wie ihr Alltag aussieht. Ich habe mir dafür schon von Deutschland aus die Finger wund telefoniert: Viele Zusagen, alle wollten mir helfen, nun bin ich hier (in Marseille) und letztlich mag doch niemand der wie es so schön heißt „Betroffenen“ einem Journalisten die Tür öffnen. Der Grund: Die Leute haben keine Lust, für die nächste Skandalgeschichte herhalten zu müssen und/oder wie Affen im Zoo vorgeführt zu werden: Im Dezember/Januar berichteten die lieben, sensiblen Kolleg/inn/en vieler Boulevardmedien wieder ausgiebig von der „Jugendgewalt in den Vorstädten“, von Banden- und Drogenkriegen, von Schießereien und Gesetzlosigkeit. Ja, all das gibt es aber hallo, da ist noch mehr und es gibt Gründe dafür. Interessiert aber nur am Rande. Danke, liebe Kolleg/innen für die „verbrannte Erde“ die ihr hier wie in Teilen Neuköllns und anderswo hinterlassen habt.

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