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Riga/Lettland. Stadt im Aufbruch. In einer Reihe von Beiträgen berichte ich von Krise und Aufbruch im neuen Lettland:

Vom Weggehen, Dableiben und Wiederkommen

Muta arbeitet eigentlich immer, nachts in der Kneipe, tagsüber in einem Restaurant und dazu studiert sie noch. „Als ich im Seminar immer wieder eingeschlafen bin, habe ich versucht, weniger zu arbeiten, aber dann reicht das Geld nicht“, erzählt die 23jährige Lettin.  Umgerechnet rund 1,80 Euro die Stunde bekommt sie fürs Kellnern. In  Riga kein schlechter Stundenlohn für Studentenjobs.

Lettland steckt immer noch tief in der Wirtschaftskrise. Der Staat hat sich euroreif gespart,  Renten und Gehälter gekürzt. Die Arbeitslosigkeit liegt vor allem im Osten des Landes weit über 20 Prozent. In der Hauptstadt gibt es zwar Jobs, aber kaum jemand kann davon leben. Bei Preisen und Mieten wie im Westen liegt das Durchschnittsgehalt bei rund 500 Euro.

Deshalb suchen rund 200.000 der nur rund 2 Millionen Letten ihr berufliches Glück in Westeuropa. Zuhause reißen sie große Lücken. Kinder, die bei ihren Großeltern aufwachsen, vermissen Papa und Mama und der lettischen Wirtschaft gehen allmählich die jungen, qualifizierten Fachkräfte aus. Doch immer mehr junge Leute kommen zurück und einige haben zuhause durchgehalten. Muta zum Beispiel mag ihr hartes Leben. Sie ist die ganzen Krisenjahre über geblieben und geht auch jetzt nicht weg, obwohl sie es im Westen leichter hätte: „Natürlich läuft hier vieles falsch, aber es ist mein Land, meine Heimat. Ich bleibe“, sagt sie trotzig und kämpft sich durch wie viele junge Leute, die geblieben sind – oder nach einiger Zeit in der Fremde wiederkommen. Langsam, ganz langsam geht es zumindest in der Hauptstadt wieder aufwärts.

In meinem Beitrag stelle ich Rückkehrer und Dableiber vor, die mit Ideen und Engagement in Riga jeden Tag für neue Überraschungen sorgen. Weitere Themen demnächst. Ich freue mich natürlich auf zahllose Bestellungen der Redaktionen… 😉

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