Kaufen, wegschmeißen, weiterkaufen, bis die Erde ausgeplündert ist…. Jetzt hilft nur noch ein Kaufstreik 3. Februar 2010
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Uhren für die Tonne:
Nach 12 Jahren bleibt meine Citizen ecodrive Solar- Armbanduhr jeden Tag pünktlich um 3h15 stehen. Also schicke ich sie zu Citizen mit der Bitte um einen Kostenvoranschlag für eine Reparatur. Die Antwort kam schnell: “Wir haben für diese Uhr keine Ersatzteile mehr.” Statt einer Reparatur gibt’s einen 25% Rabatt auf einen Neukauf für einige Uhren aus dem Onlinesortiment http://www.citizenwatch.de/. Die kaputte Uhr hat mir Citizen zurückgeschickt. Nachfrage bei einem hiesigen Uhrmacher: “Keine Ersatzteile, kann man nichts machen, nur entsorgen.” Er könne die Uhr auch nicht reparieren.
Schuhe zu Strom und Abgasen:
Die teuren Goretex-Stiefel von Puma haben nicht so lange durchgehalten. Die Sohle hängt an beiden Schuhen in Fetzen herunter, aufgelöst. Der Schuster meines Vertrauens auf die Bitte, er möge die Stiefel neu besohlen: “Geht nicht. Das Material löst sich nach vier bis fünf Jahren auf. Das ist ganz normal. Die können Sie nur noch wegschmeißen.” -”Wohin?” – “Restmüll”. Der landet in der Müllverbrennungsanlage. Bleibt nur der Verdacht, dass die Industrie so produziert, damit wir alle schnell wieder etwas Neues kaufen…. . Die Puma-Turnschuhe meines Sohnes haben sich auch nach weniger als einem Jahr in ihre Bestandteile aufgelöst.
also: am besten gar nichts mehr kaufen.
Twittern statt bloggen 3. Februar 2010
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Sorry, bin blogfaul geworden, alles, was von mir in 140 Zeichen passt, gibt’s auf http://www.twitter.com/rfi02… C U there
Istanbul 2010 10. Januar 2010
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… meine Recherchereise nach Istanbul rückt näher: Febr. 2010. Bin für alle Tipps für die Hör- und Entdeckungsreise in die größte Europäische Kulturhauptstadt 2010 dankbar (siehe mein Eintrag vom 21.11.09). Themen: Stadt der Gegensätze (arm & reich, Großstadt und Eingewanderte vom anatolischen Lande, konservativ-islamisch und europäisch….) und Stadt der Begegnungen. Daraus entsteht eine Sendung für den Deutschlandfunk, eine Stunde zu Ostern.
my trip to Istanbul is approaching: scheduled February. I am preparing a 1hr. programme on the European Capital of Culture 2010 and things going on around. My topics: city of contrasts and city of encounter. Anybody wanting to give ideas, inspiration and knowledge is welcome. The programme will be a kind of open space and open source project…. Looking foreward to hear from you!
yrs Robert
in diesem Sinne frohe Rest-Fest-Tage allerseits…… 24. Dezember 2009
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It’s Weihnachts-Time
When the snow falls wunderbar
And the children happy are,
When the Glatteis on the street,
And we all a Glühwein need,
Then you know, es ist soweit:
She is here, the Weihnachtszeit
Every Parkhaus ist besetzt,
Weil die people fahren jetzt
All to Kaufhof, Mediamarkt,
Kriegen nearly Herzinfarkt.
Shopping hirnverbrannte things
And the Christmasglocke rings.
Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits…
Mother in the kitchen bakes
Schoko-, Nuss- and Mandelkeks
Daddy in the Nebenraum
Schmückt a Riesen-Weihnachtsbaum
He is hanging auf the balls,
Then he from the Leiter falls…
Finally the Kinderlein
To the Zimmer kommen rein
And es sings the family
Schauerlich: “Oh, Chistmastree!”
And the jeder in the house
Is packing die Geschenke aus.
Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits…
Mama finds unter the Tanne
Eine brandnew Teflon-Pfanne,
Papa gets a Schlips and Socken,
Everybody does frohlocken.
President speaks in TV,
All around is Harmonie,
Bis mother in the kitchen runs:
Im Ofen burns the Weihnachtsgans.
And so comes die Feuerwehr
With Tatü, tata daher,
And they bring a long, long Schlauch
An a long, long Leiter auch.
And they schreiing – “Wasser marsch!”,
Christmas, it is – now im – Ar…ch!
Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits…
Das Verständnis der Bielefelder CDU-Bundestagsabgeordneten von Pressefreiheit und Art. 5 Grundgesetz 9. Dezember 2009
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Korrespondenz mit der Bielefelder CDU-Bundestagsabgeordneten Lena Strothmann zum Thema “Einfluss der Politik auf das Fernsehen”:
9.12.2009
Sehr geehrte Frau Strothmann,
Ihrer Argumentation kann ich nur teilweise folgen. Die Medien haben u.a. aufgrund Art. 5 GG die Aufgabe, die Politik kritisch zu begleiten und durch kritische Berichterstattung auch zu kontrollieren. Das hat das Bundesverfassungsgericht in zahlreichen Urteilen bestätigt. Diese Kontrollfunktion kann ein Sender nicht mehr uneingeschränkt ausüben, wenn (die zu kontrollierenden) Politiker zu großen Einfluss auf die Besetzung seiner Spitzenpositionen ausüben. Roland Koch ist dafür im Streit mit Herrn Brender ein herausragendes Negativ-Beispiel. Folglich habe ich als Gebührenzahler ein besonderes Interesse daran, dass die Medien (auch und gerade die öffentlich-rechtlichen) Sender Politik kritisch begleiten können, ohne dass ein Chefredakteur deshalb um seinen Posten fürchten muss. Schon deshalb sollten Sie m.E. ein Normenkontrollverfahren in diesem Falle unterstützen und mit tragen.
Mit freundlichen Grüßen
Robert B. Fishman
Am 09.12.2009 um 12:44 schrieb Strothmann Lena:
Sehr geehrter Herr Fishman,
für Ihre E-Mail vom 04.12.09 danke ich Ihnen.
Für eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht kann ich in der Entscheidung des ZDF-Verwaltungsrates vom 27. November 2009 in der Sache ZDF-Chefredakteur keine Notwendigkeit erkennen.
CDU und CSU setzen sich nachhaltig für ein starkes, unabhängiges öffentlich-rechtliches System ein. Das heißt aber nicht, dass dieses System ohne Kontrolle sein kann. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten wirtschaften mit Gebührengeldern von über 7 Milliarden Euro. Daher ist die Politik geradezu verpflichtet, durch Teilnahme an den Sendergremien über die angemessene Verwendung dieser Gelder zu wachen. Dies bedeutet keinen Eingriff in die Programmautonomie und Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sondern Verantwortungswahrnahme im Interesse der Gebührenzahler, die mit 17,98 Euro monatlich zur Kasse gebeten werden.
Mit freundlichen Grüßen
Lena Strothmann MdB
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Gesendet: Freitag, 4. Dezember 2009 20:20
An: Strothmann Lena
Sehr geehrte Frau Strothmann,
mit der Abwahl von Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur haben Parteipolitiker massiv in die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die Grundfeste der Pressefreiheit eingegriffen.
Demokratie braucht unabhängige und kritische Berichterstattung. Als Bürger Ihres Wahlkreises fordere ich Sie deshalb auf: Setzen Sie sich im Bundestag für eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht ein.
Das Gericht soll prüfen, inwieweit die Zusammensetzung der ZDF-Gremien gegen die vom Grundgesetz garantierte Rundfunkfreiheit verstößt. Damit eine Normenkontrollklage zustande kommt, braucht es die Unterschrift eines Viertels der Bundestagsabgeordneten.
Bitte informieren Sie mich, ob Sie sich einer Initiative für eine Klage anschließen!
Mit freundlichen Grüßen
Robert Fishman
Klimaschutz per Mausklick: jeder Klick schützt 2 qm Regenwald 8. Dezember 2009
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Klicken für den Regenwald: Die neue Suchmaschine http://www.ecosia.org verspricht, dass sie pro Suchanfrage über ein Projekt des WWF (Worldwide Fund for Nature) zwei Quadratmeter Regenwald unter Schutz stellt. Sie spendet Werbeeinnahmen, deren Höhe sich nach der Zahl der Suchanfragen richtet. Bequemer kann Umweltengagement nicht sein: www.ecosia.org als Startseite im Browser einstellen und dann jede weitere Internetseite über das Suchfeld von ecosia aufrufen – und schon stehen wieder 2qm Regenwald unter Schutz. Ich hoffe mal, dass das Versprechen stimmt. Wenn nicht, richten wir mit diesem Umweg auf jeden Fall keinen Schaden an.
Die Wächter des Elends in einer traumatisierten Stadt 27. November 2009
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„Natürlich kracht’s hier bald wieder, spätestens wenn die neue Polizeistation aufmacht“, sagt der große Schwarze, der mit seinem Kopf fast an die Decke des Tonstudios stößt. Canon nennt sich der 17jährige Rapper. „L’émeute“, den Aufstand erwähnt er beiläufig, wie den Sturm der gerade durch Clichy sous Bois fegt. Unwetterkommen und gehen.

Vor vier Jahren brannten in der Vorstadt nordöstlich von Paris fünf Tage lang Autos und Barrikaden, Jugendliche bewarfen Polizisten mit Molotow-Cocktails und Steinen, die Polizisten prügelten auf sie ein. „Was soll sich geändert haben?“, beantwortet er die Frage nach Neuigkeiten seit dem Aufstand. Chidra und Ren, beide gerade 18 geworden, nicken. Gemeinsam haben die drei Jungs, Freunde seit Kindertagen, die Band GDH gegründet.
„Wenn wir rappen, hören die Leute wenigstens zu“, hoffen die drei Musiker. „Wenn wir was sagen, interessiert das kein Schwein“, weiß Canon und die anderen beiden nicken.
„Den jungen Leuten in den banlieues, den Vorstädten der französischen Metropolen fehlt vor allem eines, Anerkennung“, berichtet die Sozialwissenschaftlerin Jacqueline Costa Lascoux, die….
… mehr zum Thema direkt bei mir rfi02@email.de
Entdeckungsreise zum Hören nach Istanbul, Bitte um Tipps und Hilfe 21. November 2009
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Liebe Leute, im Februar 2010 fahre ich auf eine Recherchereise nach Istanbul für eine Radio-Sendung, die ich für “Corso” im Deutschlandfunk http://www.dradio.de mache. Nun suche ich dort spannende Menschen, die Lust haben, vom Leben in der Stadt, den Kulturen, den Widersprüchen, dem Alltag etc. zu erzählen, mir (also den Radiohörer/innen) Orte, Lebensräume, Stadtteile etc. zu zeigen und so zum Bild der Stadt in der Sendung beitragen möchten. Wer jemanden kennt, Ideen hat, 1000 Dank für Tipps!/
versuche mich jetzt auch im twittern…http://twitter.com/rfi02 19. November 2009
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schon wieder Werbung ;-), die Ausschreibung für mein Seminar “Reisejournalismus” 27. Feb.- 6. März 2010 in Tunesien 18. November 2009
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Tunesien statt Münsterland? Nicht nur darüber kann man nach den jüngsten tunesischen “Wahlen” trefflich streiten. Also sage ich jetzt nichts mehr (das halte ich eh nicht lange durch) und hoffe, mit kritischen Blicken der Seminarteilnehmer/innen und dem etwas Geld, das wir ins Land bringen, den Menschen dort etwas mehr zu nutzen als zu schaden. Also, auf zum neugierig fragenden und lernendenSeminar Reisejournalismus nach Tunesien. Garantiert mehr als Palmen und Strand: Es sind noch Plätze frei: http://www.reiseseminare.de/personality_seminarreisen/reisejournalismus.php
zum Hintergrund leider schon etwas älter, aber es wird sich nicht viel geändert haben:
Mein Interview mit der tunesischen Menschenrechtlerin Sihem Bensedrine aus dem Jahr 2005
Diktatur der Raffkes im Urlaubsparadies
Von Robert B. Fishman
Frau Bensedrine, wer könnte Sie von Europa aus wie im Kampf für die Menschenrechte in Tunesien unterstützen?
S.B.: Den meisten Einfluss hätten die großen Reiseveranstalter. Die Regierungen der Reiseländer – nicht nur Tunesiens – haben Angst vor der wirtschaftlichen Macht der Reiseveranstalter. Man könnte diese zum Beispiel mit einer Kampagne unter Druck setzen, damit sie die ethischen Vereinbarungen über den internationalen Tourismus wirklich beachten. Dazu müsste man den Reiseveranstaltern konkrete Vorschläge vorlegen: Zum Beispiel einen Solidaritätsfonds für die Opfer der Unterdrückung. In einen solchen Fonds könnten die Veranstalter vielleicht 0,0001% der Einnahmen aus dem Tourismus in dem jeweiligen Land einzahlen, würde das nicht nur dem Image der Diktatur schaden, sondern auch Druck auf die jeweiligen Regierungen ausüben. Helfen würde meiner Meinung nach auch ein Ranking der Freiheit in unterschiedlichen Ländern. Das können natürlich nicht die Reiseveranstalter machen, aber z. B. eine Unterorganisationen der Welttourismusorganisation WTO. Dies könnte ihre Bewertungen nach den Vorschlägen der Menschenrechtsorganisationen in den jeweiligen Ländern vornehmen.
Welche Argumente haben denn die Reiseveranstalter, um von Regierungen die Achtung der Menschenrechte zu fordern?
1999 hat die Welttourismusorganisation in Santiago de Chile offiziell ethische Standards für den Tourismus verabschiedet. Diese Standards binden die Reiseveranstalter wie ein Gesetz. Das sind nicht irgendwelche Vorschläge, sondern verbindliche Festlegungen. Damit haben wir ein Instrument. Nun kommt es darauf an, dieses auch umzusetzen. Es stimmt, dass es keine Sanktionen gegen diejenigen gibt, die sich nicht an den Ethikcode halten. Die Medien müssen darüber berichten, wenn sich Regierungen und Reiseveranstalter nicht an die Bestimmungen halten.
Läuft denn ein Tourist, der die politische Situation in Tunesien anspricht, Gefahr, Probleme zu bekommen, oder verhaftet zu werden?
S.B.: Touristen gehen kein großes Risiko ein. Schlimmstenfalls setzt sie die Polizei in das nächste Flugzeuge nach Hause. Da gehen die Menschen in Tunesien ganz andere Risiken für die Freiheit eingehen: Folter, Trennung von der Familie, Gefängnis. Im Vergleich dazu ist das Risiko, nach Hause geschickt zu werden nicht so groß. Das kann man schon eingehen.
Sprechen die Menschen in Tunesien offen über ihre Schwierigkeiten und die politische Situation oder vermeiden Sie diese Themen lieber, um ihr Leben nicht in Gefahr zu bringen?
S.B.: Die Leute haben Angst. Den Touristen erzählen sie, dass alles in Ordnung ist. Es dauert seine Zeit, bis man das Vertrauen der Menschen gewinnt. Aber man hatte mir auch gesagt, dass die Deutschen sehr kalt seien. Ich habe hier erfahren, dass die Leute zurückhaltend sind. Und ich habe gelernt, diese Zurückhaltung zu respektieren und zu mögen. Die Leute hier lassen sich Zeit, bis sie anderen vertrauen. Aber wenn man das Vertrauen gewonnen hat, hat man es für immer. Und das Selbe sage ich den Touristen. Die Touristen können nicht alles sofort erwarten. Sie sollten sich auf einen Vertrauensbildungsprozess einlassen. Und wenn das Vertrauen einmal da ist, erzählen die Tunesier gerne und viel – so lange kein Polizist in der Nähe ist. Drei Viertel der Polizisten bei uns sind in Zivil. Eigentlich reicht es, wenn man sich als Tourist vor der Reise mit den Problemen im Land beschäftigt hat und man sich dann auf sein Gefühl verlässt. Dann findet man einen guten Weg. Die Menschen sind doch überall auf der Welt die Gleichen und die Zugänge zu den Herzen der Menschen auch.
Warum wissen denn so wenige Deutsche von den Zuständen in Tunesien, obwohl doch so viele Urlauber dort hin reisen?
S.B.: Man verkauft den Touristen ein heiles, problemfreies Produkt. Tunesien investierte sehr viel in seine Imagepflege. Da führen wir zusammen mit Amnesty International, kritischen Journalisten und Reporter ohne Grenzen einen regelrechten Krieg um die Wahrheit. Wir versuchen darüber zu informieren, dass diese Länder, die sich als heile Reisewelten darstellen, für die Einheimischen ein Gefängnisse sind.
In Deutschland gilt Tunesien als das liberalste und weltoffenste unter den arabischen Ländern. Stimmt dieses Bild denn überhaupt nicht?
S.B.: Wir haben in Tunesien einen recht hohen Bildungsstand, gebildete Jugendliche, eine relativ gute Gesundheitsversorgung. Aber das ist nichts, was Präsident Ben Ali dem Land gebracht hätte. Schon 1956 haben wir die Frauenrechte erstritten. Die allgemeine Schulpflicht gilt seit 1960 – für Jungen und für Mädchen. Auch die Infrastruktur für das Gesundheitswesen stammt aus dieser Zeit. Aber das ist doch kein Grund, dass man uns unsere Freiheit vorenthält. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir deshalb, weil der weiterentwickelt sind, eine Diktatur haben müssen. Das ist doch paradox. Die tunesische Diktatur instrumentalisiert den sozialen Fortschritt, den wir erreicht haben, gegen uns.
Und wie sehen Sie Tunesien im Vergleich zu den anderen arabischen Ländern?
S.B.: Mit Saudi-Arabien würde ich keinen Vergleich wagen, mit Libyen auch nicht. Aber die Marokkaner, Algerier, Ägypter haben mehr Freiheiten, als wir in Tunesien, viel mehr. Dort gibt es mehr Pressefreiheit, mehr Versammlungsfreiheit.
Welche Idee oder Ideologie steht denn hinter der Diktatur Ben Alis?
Keine. Den Machthabern geht es nur darum, möglichst viele öffentliche Ressourcen für die Familie Ben Ali abzuzweigen. Das ist Korruption und die Anhäufung öffentlicher Reichtümer auf den Konten der regierenden Clique. Das ist ihr einziges Ziel. Wir haben eine mafiöse Diktatur.
Deutschlands größter Reiseveranstalter, die TUI, will nicht verraten, wie viele Gäste sie jedes Jahr nach Tunesien bringt. Man solle aber „Wirtschaftskraft und Einflussmöglichkeiten“ der Reiseunternehmen nicht überschätzen, meint Unternehmenssprecher Robin Zimmermann. Und schließlich sei es nicht Aufgabe der TUI, sich in die Innenpolitik der Reiseländer einzumischen. Dies sei Sache der Bundesregierung. Den Vorschlag von Sihem Bensedrine, einen Fonds für Menschenrechtler aus Einnahmen der Touristikunternehmen zu finanzieren, werde die TUI daher nicht unterstützen. Nach Touristenzahlen ist Tunesien für TUI Deutschland das achtwichtigste Reiseland nach Spanien, der Türkei, Deutschland, Griechenland, Ägypten, Österreich und Italien. Rund acht Prozent der deutschen TUI-Kunden reisten nach Tunesien. rf


